Der Handel zwischen Reichen und Armen ñ Teil 2
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von George Monbiot
Guardian / ZNet 10.09.2003

Auþerhalb der Welthandelsgespr”che welche morgen in Cancun, in Mexiko, beginnen, werden zwei Schlachten gek”mpft werden. Der erste Kampf ist jener zwischen den AktivistInnen, welche fairen Handel verlangen, und den Gesandten der reichen L”nder, welche unfairen Handel verlangen. Der Zweite wird der Disput unter jenen sein, welche behaupten den Armen zu helfen.
Das Problem mit welchem all jene welche fairen Handel wollen konfrontiert sind ist, dass es selten, wenn jemals, ein Handelsabkommen zwischen Reichen und Armen gegeben hat, welches de facto kein legalisierter Diebstahl war. Der Entwurf den die Welthandelsorganisation diese Woche verhandeln wird stellt keine Ausnahme dar. W”hrend er den reichen L”ndern erlaubt ihre M”rkte zu sch¸tzen versucht er die armen L”nder dazu zu zwingen ihre Wirtschaften f¸r mehrere neue Arten von institutionalisierter Piraterie zu –ffnen.
Trotzdem wollen die armen L”nder um jeden Preis ein effektives Handelsabkommen haben. Ihre Gesandten wissen, dass die reiche Welt versucht sie auszurauben, und sie ekeln sich davor einem Abkommen zuzustimmen, welches es den Korporationen erlaubt alles zu betreiben, abgesehen von ihren Nieren (das wird sp”ter noch dazukommen). Aber sie sind sich auch dar¸ber bewusst, dass die USA und die Europ”ische Union anscheinend alles tun wozu sie im Stande sind, um sie zum Verlassen der Gespr”che zu zwingen. Wie jeder Gewerkschafter weiþ k–nnen die Reichen den Armen alles aufzwingen was sie wollen, wenn die Armen nicht gemeinsam verhandeln k–nnen.
Die Antwort von manchen in der reichen Welt, welche von den Vorschl”gen ihrer Regierungen angewidert sind, legt den Anschein nahe, dass die armen L”nder sich von den meisten Arten des internationalen Handels zur¸ckziehen sollten. Aber das wirft ein anderes Problem auf. Die armen L”nder brauchen Geld, und besonders harte W”hrungen. Sie haben wenige M–glichkeiten welches zu bekommen. Piraterie funktionierte gut f¸r jene L”nder, welche heute reich sind, aber die Armen befinden sich nicht in einer Position in welcher sie dies nachahmen k–nnten. Hilfsgelder lassen ihren Empf”ngern keinen Ausweg aus Vormundschaft und Abh”ngigkeit. Die einzige Option welche ¸brig zu bleiben scheint ist Handel. Die drei Millionen Menschen welche in den ”rmeren L”ndern bis jetzt die Petition Oxfams unterschrieben haben rufen nicht Ñschafft den Handel abì, sondern Ñmacht den Handel fairì. Und hier trennen sie sich von einigen jener, welche behaupten sie zu unterst¸tzen.
Wenige Menschen in der reichen Welt geben heute zu, dass sie den Wert der Exporte der armen L”nder drastisch reduzieren wollen, aber viele prominente AktivistInnen unterst¸tzen eine Politik, welche zu diesem Ergebnis f¸hren wird. Als ich im Juni argumentierte, dass ÑLokalisierungì (das ist der Vorschlag, dass alles was lokal produziert werden kann lokal produziert werden sollte) entgegen den Interessen der armen L”nder sei, sandte mir Dr. Spencer Fitz-Gibbon, der Pressesprecher der Partei der Gr¸nen, einen aufgebrachten Beschwerdebrief.[1] Er blieb dabei, dass Lokalisierung den Armen helfen w¸rde selbst-versorgend zu werden, und den Beitrag des Handels zur Klimaver”nderung reduzieren w¸rde. ÑWir bef¸rworten eine Welt von miteinander im Gleichgewicht stehenden, relativ selbst-versorgenden Wirtschaften. Das bedeutet im Endeffekt, dass die armen L”nder ihre eigenen Kocht–pfe, Computer und Bleistifte produzieren.ì Dies scheint vern¸nftig und offensichtlich, bis man kurz ¸ber die Konsequenzen nachdenkt.
Wenn jedes Land seine eigenen Kocht–pfe, Computer und Bleistifte produziert, dann braucht jedes Land Bauxit, Eisenerz, Kupfer, Silizium, Graphit, Weichholz und all die andern Materialien welche man f¸r die Manufaktur ben–tigt. Wenn das Land sie nicht besitzt, muss es sie importieren. Aber da Rohstoffe schwerer sind, braucht man f¸r den Transport von Rohstoffen mehr fossile Treibstoffe als f¸r den Transport von fertigen Produkten. Anstatt den Beitrag des Handels zur Klimaver”nderung zu reduzieren erh–ht ihn ÑSelbstversorgungì dieser Art.
Genauso gef”hrlich ist die Tatsache, dass Selbstverwaltung zwar f¸r die reicheren L”nder m–glich ist, die meisten der ”rmeren L”nder aber einfach nicht einen hinreichend groþen inl”ndischen Markt haben um die Erzeugung komplexer Produkte rentabel zu machen. Schlag einer ”thiopischen ÷konomin vor, dass ihr Land eine eigene Computerindustrie haben sollte, welche nur ihren eigenen Markt versorgt, und sie w¸rde dir ins Gesicht lachen. Weil der Markt klein ist, da die ŸthiopierInnen arm sind, w¸rde jeder Computer ein Vielfaches von dem kosten, als jene welche in der reichen Welt produziert werden. Ihre relative Kaufkraft w¸rde sogar noch geringer werden, und die Technologie die sie wollen, w”re noch weiter auþerhalb ihrer Reichweite. Wenn ”thiopische Unternehmen, Spit”ler und Universit”ten funktionst¸chtig sein wollen m¸ssen sie ihre Computer von auþerhalb importieren, wie sie das heute machen.
Aus diesem Grund brauchen sie ausl”ndische W”hrungen. Aber, unter dem System der Gr¸nen Partei, w”re es f¸r sie sogar noch schwerer welche zu bekommen, als es jetzt schon ist, da die reiche Welt ebenfalls versuchen w¸rde bei der Produktion von G¸tern selbstversorgend zu werden (und dies viel wahrscheinlicher auch schaffen wird). Die schlicht offensichtliche Tatsache ist, dass dann die einzigen Produkte welche die armen L”nder den reichen verkaufen k–nnen Rohstoffe sind. Ich habe Dr. Fitz-Gibbon vor zwei Monaten auf diese Tatsachen aufmerksam gemacht. Ich habe bis jetzt noch keine Antwort erhalten.
F¸r die globale Sicherheit ist es offensichtlich notwendig, dass die Menschen der reichen Welt, was auch immer ihre Regierungen wollen, daran arbeiten den armen L”ndern zu helfen, so viel wie m–glich von unserem auf falsche Art erworbenen Reichtums zur¸ckzuholen. Gerechte politische Programme sind von Gruppen wie Oxfam, Christian Aid und dem World Development Movement vorgeschlagen worden, welche zum Beispiel die Demokratisierung der Welthandelsorganisation fordern; eine Vereinbarung welche es den ”rmsten L”ndern erlaubt ihre gerade erst entstandenen Exportindustrien von direktem Wettbewerb zu sch¸tzen; und bindende internationale Regeln welche alle Korporationen zwingen fair zu handeln. Viele der Lokalisten haben anscheinend beschlossen diese beiden unvereinbaren Positionen zu ¸bernehmen, und behaupten auch diese Ziele zu unterst¸tzen. Sie haben bis jetzt nicht die starken Widerspr¸che angesprochen in welche sie sich verwickelt haben, oder sie auch nur zugegeben.
Zu diesen Maþnahmen k–nnen wir eine weitere hinzuf¸gen, welche k¸rzlich von dem Mann entwickelt worden ist, der den ÑReduktions- und Angleichungsì-Plan zur Bew”ltigung der Klimaver”nderung entworfen hat, Aubrey Meyer. Nach dem Prinzip des ÑReduktions- und Angleichungsì-Planes, welchen die afrikanischen Regierungen jetzt als ihre offizielle Politik in Bezug auf die Klimaver”nderung ¸bernommen haben, wird zuerst festgestellt wieviel Kohlendioxid die Menschen j”hrlich produzieren k–nnen ohne den Planeten zu kochen. Dann teilt man diese Summe auf alle Menschen der Welt auf und vergibt an jede Nation, auf Grundlage ihrer Bev–lkerungszahl, einen Anteil am Kohlendioxidausstoþ. Es schl”gt eine fortlaufende Reduktion des Ausstoþes von klima-ver”ndernden Gasen vor, und die Produktion jener Gase soll sich, pro Kopf gemessen, in allen L”ndern angleichen. Um mehr zu produzieren muss ein Land zuerst ungenutzte Quoten von einem anderen kaufen.[2]
Meyer betont, dass wir der armen Welt durch eine beschleunigte Angleichung massive Handelsvorteile bieten k–nnten. Die L”nder welche am wenigsten fossile Brennstoffe benutzen, w¸rden beinahe ein Monopol am Handel in Emissionen haben. Dies w¸rde dabei helfen der wirtschaftlichen Unausgeglichenheit zwischen den Reichen und Armen entgegenzuwirken, und w¸rde die Armen f¸r den Schaden der ihnen durch die Verschmutzung der reichen L”nder zugef¸gt wird entsch”digen.[3]
Wir haben die M–glichkeit f¸r etwas noch nie da Gewesenes zu k”mpfen: ein Handelsabkommen welches nicht zum Vorteil der Reichen ausgelegt ist. Aber wenn wir ernsthaft f¸r faire Regeln k”mpfen wollen, m¸ssen wir auch aufh–ren f¸r unfaire zu k”mpfen. Die Lokalisten m¸ssen ihre Widerspr¸che konfrontieren, und sich entscheiden auf welcher Seite sie stehen.
N”chste Woche: Nach Cancun die Tr¸mmer zusammensuchen.
www.monbiot.com
Referenzen:
[1] Offener Brief von Spencer Fitz-Gibbon an George Monbiot, 25. Juni 2003. Dieser Brief kann online unter http://www.indymedia.org.uk/en/2003/06/273186.html gelesen werden.
[2] Siehe Aubrey Meyer, 2000. Reduktion und Angleichung: Die globale L–sung f¸r [das Problem der] Klimaver”nderung. Green Books (on behalf of The Schumacher Society).
[3] Aubrey Meyers, pers–nlicher Kommentar.

[ Übersetzt von: Christian Stache | Orginalartikel: "Whose Side Are You On?" ]
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